Analyse der Teilnehmerzahlen bei Pegida und NoPegida am 06.02.2016 in Dresden

Am 06.02.2016 wurden mehrere Demonstrationen in Dresden durchgeführt. Bei der anlassgebenden Veranstaltung von Pegida haben mit hoher Wahrscheinlichkeit zwischen 8.300 bis 9.200 Menschen demonstriert. Dagegen demonstrierten zwischen 2700 bis 3000 Menschen auf dem Theaterplatz und viele weitere bei kleineren Kundgebungen. Die Ergebnisse der nachträglichen Auswertung der Teilnehmerzahlen weichen teilweise von unseren unmittelbaren Schätzungen vor Ort ab. Die Ursachen werden daher in diesem Artikel näher erörtert.

Zwischen 2700 bis 3000 bei NoPegida-Kundgebung“Solidarität statt Ausgrenzung. Europa statt Nationalismus. Herz statt Hetze.“ auf Theaterplatz

Im Vorfeld der Pegida-Kundgebung fanden verschiedene Gegenveranstaltungen statt. Gegen 13 Uhr setzte sich ein Demozug unter dem Motto „Solidarity without limits“ vom Dresdner Hauptbahnhof in Richtung Neustadt in Bewegung. Gegen 13:45 erreichte dieser den Theaterplatz mit ca. 1000-1400 Menschen.

Nach Eintreffen des Demozug  auf dem Theaterplatz kam es gegen 14:00 zu einer zentralen No-Pegida Kundgebung mit dem Bündnis „Herz statt Hetze“ unter dem Motto „Solidarität statt Ausgrenzung. Europa statt Nationalismus. Herz statt Hetze.“

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Zentrale No-Pegida-Kundgebung auf dem Theaterplatz Bild: Forschungsgruppe Durchgezählt

Gegen 14:20 nahmen wir eine erste Flächenschätzung vor mit dem Ergebnis 3685 qm. Zugleich schätzten wir Personen-Dichte als eher niedrig  mit etwa 0.7-1 Person pro qm ein, sodass wir folgende erste Schätzung abgaben:

Zeitgleich erstellten wir eine Sequenz von Bildern, aus welchen wir das folgende Panorama-Bild erstellten, welches wir nachträglich mittels Markieren jedes Teilnehmers auswerteten.

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Panoramabild der No-Pegida-Kundgebung auf dem Theaterplatz Bild: Forschungsgruppe Durchgezählt

Wir ermittelten auf diese Weise eine Anzahl von 2720 Menschen, wobei sicher in wenigen Fällen einige Personen doppelt, fälschlicherweise oder nicht gezählt wurden. Hier zur besseren Darstellung eine interaktive Version des Panoramabildes:

Link auf interaktives Panoramabild

Aufgrund unserer Auszählung erscheint somit die Zahl von 2700  Teilnehmer als eine robuste Untergrenze. Unterstellt man weiter, dass maximal 10% aller Teilnehmer der Demo aufgrund von Verdeckungen bzw. Sichthemmnissen wie anderen Personen, Fahnen oder der Bühne verdeckt sind, so erscheint es plausibel, dass zu diesem Zeitpunkt zwischen 2700 bis 3000 Menschen an dieser zentralen No-Pegida-Demo teilnahmen.

 

Zwischen 8300 bis 9200 bei Pegida-Kundgebung „Fortress Europe“ am Königsufer.

Gegen 15 Uhr startete die Kundgebung von Pegida unter dem Motto „Fortress Europe“ am Königsufer an der Elbe unterhalb des sächsischen Staatsministeriums für Finanzen.

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Sammlung der Pegida-Teilnehmer am Königsufer gegen 14:45 Bild: Forschungsgruppe Durchgezählt

Gegen 15:30 nahmen wir zur nachträglichen Auswertung  eine Sequenz von Bildern auf, welche wir zu dem folgenden Panoramabild zusammensetzen und mittels Markieren jeder erkennbaren Person auswerteten.

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Panoramabild der Pegida-Kundgebung am Königsufer von der Brühlschen Terasse aus gesehen. Bild und Bearbeitung: Forschungsgruppe Durchgezählt

Wir ermittelten hier ein Ergebnis von 7700, wobei sicher in wenigen Fällen einige Personen doppelt, fälschlicherweise oder nicht gezählt wurden.  Hier zur besseren Darstellung eine interaktive Version des Panoramabildes:

Link auf interaktives Panoramabild zur besseren Darstellung

Da aufgrund des flachen Aufnahmewinkels sicher einige Personen insbesondere im unmittelbaren Bühnenbereich verdeckt worden, erstellten wir von der Carolabrücke aus eine weitere Sequenz von Bildern. Daraus resultierte folgendes Panoramabild.

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Panoramabild der Pegida-Kundgebung am Königsufer von der Carola-Brücke aus gesehen. Bild und Bearbeitung: Forschungsgruppe Durchgezählt

Hier zur besseren Darstellung eine interaktive Version des Panoramabildes:

Link auf interaktives Panoramabild zur besseren Darstellung

Aufgrund bestimmter „Artefakte“ in diesem speziellen großformatigen Panoramabild einige wichtige Erläuterungen und Bemerkungen:

  1. Dieses Bild wurde aus einer Sequenz von knapp hundert Einzelbildern erstellt, welche in einem Zeitintervall von knapp drei Minuten erstellt worden ist. Somit stellt das Panoramabild, wie aber eigentlich fast jedes zusammengesetztes Panoramabild, keine echte Momentaufnahme dar. Vielmehr stellt es aus methodischer Sicht nur eine Schätzung im Sinne einer geeigneten Approximation für eine tatsächliche extrem hochaufgelöste Momentaufnahme mit breitem Aufnahmewinkel dar. Wäre das betrachtete Aufnahmeobjekt, in unserem Falle eine Menschenmenge, völlig statisch über die gesamte Aufnahmezeit, so wäre die Rekonstruktion mittels eines Panoramabild tatsächlich äquivalent zu einer Momentaufnahme.
  2. Tatsächlich bewegen sich während der Enstehungsphase verschiedene Menschen, insbesondere in den Randbereichen, sodass es bei der Zusammenführung der Einzelbilder im Schnittbereich zu einem sogenannten „Ghosting“ kommen kann, d.h. einer partiellen und verzerrten Darstellung von einzelnen Bild-Elementen. Diesem begegnet die Software zur Erstellung der Pananoramabilder standardmäßig mit bestimmten „Anti-Ghosting“-Algorithmen. Bei zu starker Abweichung können allerdings selbst diese Artefakte nicht entfernt werden, sodass z.B. Menschen versetzt oder nur teilweise dargestellt werden.
  3. Bei einer Auszählung kann dies dazu führen, dass entweder bestimmte Teilnehmer doppelt oder nicht ausgezählt werden. Es lässt sich aber vermuten, dass sich diese beiden gegenläufigen Verzerrungen in etwa die Waage halten sollten.

Eine direkte Auszählung lieferte ein Ergebnis von 8260, was gegenüber dem obigen Panoramabild eine Erhöhung um etwa 7% entspricht. Dies ist vor allem dem deutlich besseren Aufnahmewinkel und geringeren Abstand geschuldet.

Basierend auf beiden Auszählungen, erscheinen 8300 Teilnehmer eine solide Untergrenze zu bilden. Unterstellt man weiter eine vollständige Verdeckung von bis zu 10% aller Teilnehmer aufgrund von Fahnen, Personen und weiterer Sichthemmnisse, so erscheint somit eine Teilnehmerzahl von 8300-9200 Teilnehmern als sicher.

Unmittelbar vor Ort nahmen wir erst gegen 16:30 nach unseren aufwändigeren Fotoarbeiten eine Flächenschätzung von ca. 5600 qm vor und schätzten die Dichte mit etwa 1 bis 1.4 Personen pro qm ab, sodass wir eine erste Schätzung für die Teilnehmerzahl von  6000-8000 abgaben:

Somit fiel unsere unmittelbare Schätzung ein wenig niedriger als das nachträglich ermittelte Schätzintervall aus. Für diese Diskrepanz von etwa 1000-2000 Teilnehmern lassen sich zwei Gründe ausmachen:

  1. Die 5600 qm bezogen sich auf den Kernbereich der Kundgebung. Eine nachträgliche Rekonstruktion der Fläche des weiteren Bereichs, welcher dann aber einige größere Lücken und die Bühne selbst einschließt, liefert eine Flächenschätzung von etwa 7400 qm. Für diesen Bereich wäre aufgrund der weniger dichten Randbereiche eher eine niedrigere geschätzte Dichte von 0.8 bis 1.2 Personen pro qm anzusetzen, sodass eine Schätzung von etwa 5900-8900 resultiert wäre, welcher eher im Einklang mit der nachträglichen Schätzung steht.
  2. Während bis ca. 15:30 Uhr noch viele Menschen ans Königsufer strömten, war schon ab 16 Uhr ein gewisser Abstrom von Teilnehmern zu verzeichnen. Da wir unsere unmittelbare Schätzung erst gegen 16:30 vornahmen, erscheint es durchaus plausibel, dass in etwa 500-1000 Menschen die Veranstaltung vorzeitig verließen. Diese Menschen blieben somit bei unserer ersten Schätzung unberücksichtigt.

Der hier veröffentlichte Artikel entspricht nicht notwendigerweise dem Original der Erstveröffentlichung und tut es in aller Regel auch nicht, sondern wird fortlaufend sowohl sprachlich als auch inhaltlich ergänzt oder korrigiert. Bei berechtigtem Interesse können aber gerne frühere Versionen des Artikels bereitgestellt werden. Auch muss das angezeigte Datum der Veröffentlichung nicht notwendigerweise dem tatsächlichen Datum der Veröffentlichung entsprechen, sondern kann auch allein dem Zwecke der chronologischen Sortierung dienen, sodass das angezeigte Datum des Artikels in etwaiger zeitlicher Nähe zum betrachteten Gegenstand liegt. Bei berechtigtem Interesse kann aber das Datum der Erstveröffentlichung gerne nachgefragt und mitgeteilt werden.

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