Analyse der Teilnehmerzahlen zu Pegida und NoPegida am 02.11.2015 in Dresden

Am 02.11.2015 fand in Dresden eine Demonstration des Pegida-Bündnisses statt. Nach der Auftaktkundgebung zogen die Anhänger mit  einem Demonstrationszug durch die Altstadt. Beendet wurde die Veranstaltung nach einer Abschlusskundgebung am Ausgangsort. Dagegen protestierte das Bündnis Gepida (Genervte Einwohner protestieren gegen Intoleranz Dresdner Außenseiter) auf dem Postplatz. Anschließend zog der Gegenprotest in einem Demonstrationszug zum Bahnhof Neustadt. Das Dresdner Team der Forschungsgruppe „Durchgezählt“ war erneut auf der Straße, um mit verschiedenen Methoden die Teilnehmerzahlen möglichst genau abzuschätzen.

Bei Pegida haben mit hoher Wahrscheinlichkeit zwischen 7.000 und 8.000 Menschen teilgenommen. Am Gegenprotest beteiligten sich zwischen 800 und 1.000 Personen

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Pegida auf dem Neumarkt (Bildrechte: Forschungsgruppe Durchgezählt)

Zur Abschätzung der Teilnehmerzahl bei Pegida wurden von erhöhter Postion zwischen 19:05 Uhr und 19:20 Uhr Überblicksbilder der Veranstaltung aufgenommen. Bei der Auswertung wurden darauf 7.093 Menschen gezählt. Es können durch die Lichtverhältnisse jedoch einzelne Personen auf den Bildern verborgen geblieben sein. Ebenso ist es wahrscheinlich, dass ein Teil der Menschen durch Sichthinternisse wie z.B. Fahnen, Schilder, Straßenlaternen und Gebäude verdeckt wurde. Jedoch können auch Polizeibeamte und unbeteiligte Personen mitgezählt worden sein. Auch können versehentlich helle Objekte, die einem Gesicht optisch ähnlich sind, mitgezählt worden sein. Ebenso können einzelne Personen übersehen worden sein. Da mehrere Bilder ausgezählt wurden und dazu der Platz anhand von markanten Punkten durch Linien getrennt wurde, können einzelnen Personen an diesen Grenzen doppelt oder nicht erfasst worden sein.

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Nochmal Pegida auf dem Neumarkt (Bildrechte: Immer noch die Forschungsgruppe Durchgezählt)

Von dieser Postion aus wurde mit der Smartphone-App „Fields Area Measure Free“ abgemessen, dass die Kundgebung eine Fläche von ca. 4.700 Quadratmetern einnahm. Es wurde durch die Team-Mitglieder anhand von Erfahrungswerten eine durchschnittliche Dichte von 1,3-1,6 Personen pro Quadratmeter geschätzt. Anhand dieser Werte wurde eine erste Schätzung von 6.000-7.500 Teilnehmern veröffentlicht.

Zum anderen wurde die Zahl der Menschen im Demonstrationszug, auf Höhe des Postplatzes, durch die Auszählung eines Videos in Zeitlupe ermittelt. Dabei wurden 6.934 Personen erfasst. Dabei können ebenso Fehler durch die Verdeckungen, das Übersehen oder die doppelte Zählung einzelner Personen auftreten. Sicherlich haben nicht alle Teilnehmer der Pegida an der Zählstelle an dem Demonstrationszug teilgenommen. So blieben beispielsweise einige Personen auf dem Neumarkt zurück oder verließen die Veranstaltung vorzeitig.

Während der Videoaufnahme wurden zwei direkte Zählungen durchgeführt. Dabei wurden ca. 6.500 und 7.700 Personen gezählt. Daher wurde eine, leicht nach oben erweiterte, zweite Schätzung von 6.000-8.000 Teilnehmern veröffentlicht.

Zur Überprüfung der bisherigen Ergebnisse wurde noch während der Demonstration eine Teilfläche der Veranstaltung ausgewertet. Dazu wurde auf einem Bild ein Dreieck abgesteckt und die darin sichtbaren Menschen gezählt. So fanden sich auf ca. 750 Quadratmetern (eigentlich 762qm, jedoch abgerundet aufgrund leerer Fläche im Vordergrund) 1.228 Personen. Dadurch lässt sich eine Dichte von ca. 1,637 Personen pro Quadratmeter ermitteln. Da die Bildqualität als sehr gut gewertet wurde und mögliche Verdeckungen durch Fahnen oder Schilder bereits berücksichtigt waren, wurde die geschätzte Gesamtfläche von 4.700 Quadratmetern mit 1,65 multipliziert und das Ergebnis auf 7.750 gerundet. Der untersuchte Sektor liegt jedoch in der Mitte der Versammlung, an den Rändern treten meist geringere Dichten auf. Daher liegt das Ergebnis der Hochrechung etwas höher, als das Ergebnis der Auszählung der gesamten Menschenmenge. Durch die Bildauswertung lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit schätzen, dass die durchschnittliche Dichte bei der Auftaktkundgebung zwischen 1,51 und 1,60 Personen pro Quadratmeter betrug. Die Hochrechung lag innerhalb des Schätzintervalls der zweiten Schätzung und bestätigte zu dem Zeitpunkt somit die obere Grenze von 8.000 Menschen. Vielen Dank an Christopher Pabel für die Bildauswertung.

Es lässt sich anhand dieser Ergebnisse mit hoher Sicherheit schätzen, dass sich zwischen 7.000 und 8.000 Menschen an dem Protest von Pegida beteiligt haben. Jedoch erscheint es aufgrund der Bildauswertung unwahrscheinlich, dass sich mehr als 7.500 Menschen gleichzeitig bei der Auftaktkundgebung auf dem Neumarkt versammelt haben. Durch die etwas höhere obere Schwelle von 8.000 werden der Zu- und Ablauf während der Demonstration berücksichtigt.

Zur Überprüfung stellen wir die Zählbilder für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung (Lizenz: CC BY-NC-SA): Sektor rechtsSektor links hintenSektor links vorne

Der Gegenprotest von Gepida um 20 Uhr
Der Gegenprotest von Gepida um 20 Uhr

Um die Teilnehmerzahl des Gegenprotests zu schätzen wurden zunächst um 18:15 Uhr zwei direkte Zählungen von leicht erhöhter Postion am Postplatz durchgeführt. Dabei wurden rund 600 und 900 Personen gezählt. Es zeigt sich, dass bei dieser Methode mit erheblichen Abweichungen zu rechnen ist. Es wurde daher zunächst eine Schätzung von 500-1.000 Teilnehmer über Twitter veröffentlicht. Als die Gegendemonstranten mit ihrem Protestmarsch begannen, wurde eine direkte Zählung durchgeführt. Dabei wurden rund 900 Personen gezählt und daher die Schätzung von 800-1.000 Teilnehmer publiziert.
Nachträglich wurde ein, aus mehreren Fotos zusammengesetztes, um 20 Uhr aufgenommenes, Panoramabild ausgewertet. Einige Personen im Vordergrund sind aufgrund des kleinen Bildausschnitts nicht zu sehen. Es wurden in dem Bild 794 Menschen gezählt. Ebenso können die bereits oben erwähnten Fehler bei der Auszählung auftreten. Insofern bestätigt dies die Schätzung von 800-1.000 Menschen bei dem NoPegida-Protest.

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9 Gedanken zu “Analyse der Teilnehmerzahlen zu Pegida und NoPegida am 02.11.2015 in Dresden

  1. Bleibt unabhängig und fair sonst betrügt ihr euch selbst ! Die Medien lügen schon genug haltet die Bürger hier im Osten nicht alle für doof ! Ihr zählt wie es aussieht nicht objektiv !

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      1. Bei einem Antipegidakonzert war der Platz nicht viel voller.

        Und da waren 30.000 Leute da.

        Und bei Pegida ist in der Regel auch der Platz voll. Viel mehr wuerden auch nicht mehr rein passen.

        Aber immerhin nennt ihr die Demos Demonstrationen und nicht Aufmaersche…

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      2. @bastimaxi: Ich habe die Besucher des Konzertes vom 26.01. (ich vermute, Sie meines das) nicht gezählt, beim Vergleich der Aufnahmen von umliegenden Gebäuden mit der obigen Aufnahme von durchgezählt fallen allerdings einige Differenzen auf, die zeigen, dass damals sehr viel mehr Personen anwesend gewesen sein müssen:

        * bei Pegida stehen die Personen vor allem am oberen Bildrand sehr locker, am auf den Fotos vom 26.1. sieht die Menge insgesamt gedrängter aus.
        * beim obigen Foto stehen links oben Polizeiwagen von dem Denkmal von Friedrich August von Sachsen, dahinter befinden sich keine Demonstranten mehr. Am 26.1. war jenes Denkmal von Demonstranten umschlossen.
        * beim obigen Foto zwar schwer zu erkennen, auf anderen online verfügbanre Bildern aber sichtbar: die Bühne von Pegida steht neben dem Luther-Denkmal, zwischen diesem Denkmal und Frauenkirche befinden sich nur sehr wenige Personen. Am 26.1. waren in diesem Bereich dagegen eine ganz Menge Personen.
        * Am 26.1. war der Neumarkt wegen Überfüllung geschlossen und die restlichen Ankommenden auf den Theaterplatz weitergeleitet worden. Am 2.11. war die Situation von einer Schließung wegen Überfüllung weit entfernt.

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  2. Als Besucher von Dresden habe ich aus reinem Interesse diese Demo mir als Gast von außen erstmals angeschaut. Infolge einer guten Übersicht und aus Gesprächen mit mehreren Anwohnern und Gastronomen weiß ich, daß die Zahlen von „durchgezählt“ nicht stimmen und viel zu niedrig sind. Es erscheint also mehr als wahrscheinlich, daß aus gewissen Gründen hier absichtliche Falschangaben gemacht werden, was allerdings bei Studenten und deren politischen Backgrounds auch irgendwo verständlich ist. Trotzdem eine unseriöse Vorgehensweise

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    1. Es erscheint also mehr als wahrscheinlich, dass aus gewissen Gründen hier absichtliche, jedoch nicht begründete Zweifel an der Zählung von „durchgezählt“ gemacht werden, was allerdings bei Ihnen und Ihrem politischen Background auch irgendwo verständlich ist. Trotzdem eine unseriöse Vorgehensweise

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